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Famulatur-Erfahrungsbericht, SoSe 2011, Praxis Dr. Landendörfer/Heiligenstadt

pdfExkursionsbericht 2011 Geriatrie
pdfFeedbacks von Teilnehmern 2011

Thailand? Malediven? Oder vielleicht doch den Sprung in den englischen Sprachraum? Nein, bei all den exotischen Möglichkeiten, die Studierende während ihrer Zeit als FamulantIn wahrnehmen, war es vielleicht wirklich nicht die naheliegenste Entscheidung, einen Großteil der Sommer-„Ferien“ in Franken zu verbringen. Aber, es sollte sich lohnen, denn mein anfängliches Zögern sollte sich binnen der ersten Tage als absolut unbegründet herausstellen.

Ich kannte die Praxis und ihre Mannschaft bereits aus dem Blockpraktikum Allgemeinmedizin und wusste daher schon, wie sich die nächsten Wochen in etwa gestalten könnten. In dieser Zeit hatte mich Herr Dr. Landendörfer auch ermuntert, bei Ihm direkt zu famulieren, um einen genaueren und zeitlich weniger gestauchten Einblick vom täglichen Handwerk und der Realversorgung zu bekommen.

Mein erster Arbeitstag begann mit einer kleinen Selbsteinschätzung meiner Fähigkeiten sowie einer Zusammenschau der Dinge, die ich hier lernen wollte und konnte. Auf dieses Gespräch kam Herr Landendörfer immer wieder zurück und vergewisserte sich, dass ich tatsächlich Gelegenheit hatte, vorhandene Fähigkeiten anzuwenden und fehlende zu erlernen.

Kaum war diese Einführung vorbei, ging der Alltag der Praxis auch schon los – und ab diesem Zeitpunkt hatte ichtatsächlich niemals Langeweile. Das ominöse „ungefilterte Krankengut“ hielt einen wirklich ständig auf Trab: Welche Medikamente könnten eine Alopezie verursachen? Sind Pestizide für Diarrhoe verantwortlich? Wie behandle ich einen Insektenstich mit der Möglickeit der anaphylaktischen Reaktion? Woher kommt eine Akne bei Hodenkrebs? Und, und, und. Die Krankheitsbilder wechseln im Minutentakt und die Lernkurve ist entsprechend steil.

An einigen Nachmittagen steht sogar noch der „echte Hausbesuch“ auf dem Programm. Wie ich fand, eine wunderbare Möglichkeit, sich das Werkzeug der erlebten Anamnese zu vergegenwärtigen und während der Fahrten im zeitlich etwas entzerrten Rahmen die jeweiligen Krankengeschichten zu erörtern.

Bei alledem standen mir Herr Landendörfer und sein Kollege stets und mit echtem Einsatz Rede und Antwort. Ich wurde zu allem Interessanten hinzugeholt, durfte dann die Patienten untersuchen, die Anamnese erheben und meine Vorschläge zu Therapie darlegen. Und dadurch, dass ich, sobald ein Fall über meine Routine hinausging, nicht auf mich allein gestellt war, kam es nie zu diesen „Hängern“ im Ablauf, die sich sonst gerne einmal einstellen, wenn man eigenverantwortlich handeln soll: Wann immer ich nicht genau weiterwusste, wurden Tips gegeben, Einzelheiten der Anamnese erläutert, die (durch den Arzt) erlebte Anamnese hinzugezogen oder auf Besonderheiten des Falles und mögliche Differentialdiagnosen hingewiesen.

Doch diese Art der echten „ärztlichen Aufsicht“ hatte nicht nur fachlich unschätzbare Vorteile gegenüber meinen bisherigen Famulaturen im gestressten Krankenhausalltag: Durch Herrn Landendörfer wurde mir am Exempel des allseits bekannten und geschätzten Hausarztes vorgelebt, was es heißt, eine ärztliche Haltung einzunehmen und sie seinen Patienten im Sinne einer unbedingt notwendigen Qualität bieten zu können. Es ist die dynamische Fähigkeit, hervorragende Medizin zu praktizieren, UND dabei „nah am Patienten“ zu bleiben, ihn auf seinem Level des Alltagserleben abzuholen und aktiv in Diagnostik, Therapie und das Krankheitsverständnis einzubinden. Es ist der Schlüssel zu einer gesunden Arzt-Patienten-Beziehung und zum notwendigen Maß an Compliance.
Herr Landendörfer legte ausgesprochenen Wert darauf, dass ich die Möglichkeit hatte, diese ärztliche Haltung zu finden, anzuwenden und stetig zu verbessern.

Besonders herausstellen möchte ich, dass ich de facto jeden Tag ein 1:1-Coaching erhielt und dabei wirklich keine Frage unbeantwortet blieb. Es war von unschätzbarem Wert, dass Unklarheiten sofort besprochen werden konnten, und ich somit die jeweiligen, evtl. zunächst überraschenden Entscheidungen direkt im Kontext verstehen lernte.

Im Hinblick auf die Interaktion zwischen Arzt, Famulus und Patient achtete Herr Landendörfer deshalb immer darauf, mich als vollwertiges Mitglied der Praxis vorzustellen und ebenso einzubinden – ein unschätzbarer Vorteil, wenn ich mich an das in dieser Hinsicht missglückte Gynäkologie-BP erinnere...

Abschließend bleibt mir nur zu sagen, dass ich mich jeden Tag gefreut habe, die Praxis wieder zu betreten. Ich wurde von Ärzten und Belegschaft so liebevoll aufgenommen und unterstützt, dass es wirklich eine Freude war, dort zu arbeiten.

Ich möchte den Ärzten und der gesamten Belegschaft der Praxis von ganzem Herzen danken, und kann diese Praxis mit diesem Team wirklich jedem Interessierten voll und ganz empfehlen!

M.F.